Back to blog

Kieferbewegungsanalysen mit Zebris for Ceramill

Zebris for Ceramill ist ein optoelektronisches Achsiographiesystem, das speziell für den digitalen Workflow optimiert wurde. Zahnarzt Frank Bias M.Sc. aus Berlin erläutert in unserem Interview den Gebrauch und die Vorteile des digitalen Gesichtsbogens.

Mo. 5. Juli 2021, 9:00 Uhr

Kieferbewegungsanalysen mit Zebris for Ceramill

Herr Bias, wie unterscheidet sich ein digitaler Gesichtsbogen von der analogen Variante?

Frank Bias: Digitale Achsiographiesysteme waren zunächst nichts anderes als digitale Versionen ihrer mechanischen Vorgängersysteme. Lange Zeit wurde deshalb die elektronische Achsiographie auf die Grundgedanken der mechanischen Achsiographie reduziert. Durch computerbasierte elektronische Vermessungen können heute Unterkieferpositionen in dicht aufeinanderfolgenden Zeitintervallen relativ zum Oberkiefer in allen sechs Freiheitsgraden erfasst werden. Dabei werden auch die Bewegungsbahnen der Kiefergelenke erfasst. Wesentlicher Bestandteil ist ein Kopplungslöffel, mit dem die 3-D-Position des Oberkiefers registriert, eingemessen und in die CAD-Software übertragen werden kann. Eine Übertragung des Oberkiefermodells mit einem mechanischen Gesichtsbogen wird dabei überflüssig und die Übertragung individuell bestimmter Bewegungszentren unterscheidet sich nicht von jener mit arbiträr abgegriffenen Punkten.

Was macht den Gesichtsbogen Zebris for Ceramill aus?

Frank Bias: Zebris for Ceramill ist ein optoelektronisches Achsiographiesystem, das speziell für den digitalen Workflow optimiert wurde. Neuere Systeme haben eine optische Messsensorik, die aus einer aktiven Infrarot-LED-Sendeeinheit (Sensorelement für den Unterkiefer) und einem Gesichtsbogen mit zwei integrierten Kameras besteht. Die individuellen Unterkieferbewegungen werden mittels optischer Triangulationen erfasst. Das geringe Gewicht und die grazile Gestaltung der Mess-Sensorik vereinfachen das Handling deutlich. Außerdem konnte die Genauigkeit der Orts- und Bewegungsdetektion verbessert werden (50-100 µm im Nahbereich der Okklusion, gemäß den Angaben des Herstellers).

Was ist die Voraussetzung für eine sinnvolle Einsteuerung der Bewegungsmechanik?

Frank Bias: Das Bezugssystem, in dem die Messwerte am Patienten erhoben werden, müssen mit demjenigen im Artikulator in Übereinstimmung gebracht werden. Bisher erfolgte dies mit Gesichtsbögen und dem Einscannen einartikulierter Modelle, oder mittelwertig über den virtuellen Mittelwertartikulator, der häufig auf dem Prinzip des Bonwill-Dreiecks basiert. Das eine war umständlich, das andere führte zu einer Vereinfachung, die vielleicht für Einzelzahlrestaurationen noch zulässig ist. Bei mittelwertiger Programmierung von Mittelwertartikulatoren ist in 25 % der Fälle mit okklusalen Abweichungen von > 200 µm zu rechnen. Durch Registrierung der Kondylenbahnneigung, des Bennett- und des Shift-Winkels können diese Fehler deutlich reduziert werden. Es wird zu jedem Zeitpunkt sichergestellt, dass die Bewegungsaufzeichnung auch auf der gleichen Referenzierung erfolgt, die dann später Grundlage für die Programmierung des virtuellen Artikulators ist. Ein umständliches Markieren und Abgreifen individueller Scharnierachspunkte, wie wir es aus der mechanischen Achsiographie und aus herkömmlichen elektronischen Achsiographiesystemen kennen, entfällt.

Folge uns!