Back to blog

„Die digitale Entwicklung ist nicht zu bremsen“

Interview mit dem Leiter des Zahntechniklabors Universitätszahnklinik Wien Mst. Tom Vaskovich MSc. Ebenfalls tätig als Inhaber eines Dentallabors in dritter Generation, sieht er große Chancen und viele Vorteile in der Digitalisierung - wie zB mehr Sicherheit und Erleichterung für Anwender*innen dank eines validierten Workflows.

Mo. 21. November 2022, 0:00 Uhr

„Die digitale Entwicklung ist nicht zu bremsen“

Herr Vaskovich, Sie sind seit 1984 als Dentaltechniker tätig und hineingeboren in eine Familie von Dentaltechnikern – was begeistert Sie an Ihrer Arbeit?
Am Anfang meiner Berufslaufbahn faszinierte mich vor allem die Möglichkeit, aus unterschiedlichen Materialien und Produktionsprozessen selbst manuell individuellen Zahnersatz erstellen zu können. Das Thema „Material und Anwendung“ hat mich dabei immer ganz besonders interessiert. Und diese Faszination ist bis heute erhalten geblieben, weshalb der Beruf mit den neuen Technologien und den innovativen Materialien für mich immer noch spannender wird.

Sie leiten das Zahntechniklabor der Universitätszahnklinik Wien – mit 40.000 Patient*innen und 160.000 Fällen pro Jahr die größte Universitätszahnklinik im deutschsprachigen Raum: Welche Kriterien sind bei der Auswahl und Anschaffung von neuem Equipment von Bedeutung?
Um unseren hohen Ansprüchen und dem großen Arbeitsaufwand gerecht zu werden, ist für uns verlässliche Qualität das A und O. Was zudem für alle Anwender*innen immer wichtiger wird, ist einen kompletten validierten Workflow zu erhalten, um mehr Sicherheit in punkto Nachvollziehbarkeit und Haftungsfragen zu bekommen. In unserem universitären Zahntechniklabor arbeiten wir seit bereits über zehn Jahren mit zahlreichen Geräten und Materialien von Amann Girrbach – da es lange Zeit nahezu das einzige Unternehmen war, das uns das Komplettangebot eines umfassenden Portfolios in Kombination mit sehr guter Qualität bieten konnte. Über die Jahre sind wir aufgrund der Qualität auf immer mehr Produkte umgestiegen. In Verwendung sind beispielsweise Full Service Units wie die Ceramill Matik oder die Ceramill Motion, der High-Speed-Sinterofen Ceramill Therm DRS, Materialien wie Ceramill Sintron, Artex-Artikulatoren oder auch der digitale Gesichtsbogen Zebris for Ceramill.

Neben Ihrer Funktion an der Universitätszahnklinik sind Sie auch Betreiber eines Dentallabors in Wien. Wie sehen dort die Abläufe aus und was hat sich in den vergangenen Jahren getan?
In meinem privaten Dentallabor sind effiziente Abläufe und der besagte validierte Workflow genauso wichtig. Was ich an meinen beiden Wirkungsstätten als die beste Investition seit Jahren betrachte, ist die Full Service Unit Ceramill Matik. Sie hat die Produktivität in meinem Privatlabor in Kombination mit den Materialien Zolid FX Multilayer sowie Zolid Gen-X um mindestens 30 Prozent gesteigert – und das ist schon bemerkenswert. Sie vereint dabei drei Geräte in einem: Neben der eigentlichen Bearbeitungsstation übernimmt die Einheit ebenfalls die Funktionen eines vollautomatischen Lagerverwaltungssystems sowie eines Maschinenreinigungsgerätes. Und die Fräsergebnisse sind top. Die Möglichkeiten über Nacht oder am Wochenende zu fertigen sind überzeugend. Die Anwendung erfolgt in meinem Labor so, dass am Tag Zirkon gefertigt wird und nachts dann die Schienen. Diese Umstellung der Arbeitsprozesse ist ein echter Gamechanger. Im Universitäts-Labor sind die Abläufe übrigens ähnlich: Untertags wird Zirkon und in der Nacht werden Schienen – und zwar sehr viele – gefertigt. Das passiert meist über das ganze Wochenende ohne Beobachtung oder Kontrolle, und es klappt hervorragend.

Wie wird die immer stärker wachsende Digitalisierung den Dentalbereich verändern – und wie entwickelt sich die Branche generell?
Die zunehmende Digitalisierung wird uns viele Vorteile bringen – wie die digitale Datensicherung und die damit verbundene Sicherheit. Auch der digitale Datentransfer und dass die Maschinen rund um die Uhr arbeiten, zählt zu den großen Vorzügen der Digitalisierung – und damit verbunden natürlich die enorme Produktions- und Qualitätssteigerung durch das Verwenden standardisierter Prozesse in Verbindung mit industriell vorgefertigten Rohstoffen. Dies spart Zeit und vor allem auch in großem Ausmaß Kosten. Die Umstellung auf die Erstellung von Inlays und Veneers aus Zirkonoxid bringt ebenfalls eine Effizienzsteigerung. Die Quote an Wiederholungen ist drastisch gesunken, die Zufriedenheit der Behandler*innen hingegen stark gestiegen. Meine Behandler*innen schicken mittlerweile zu über 50 Prozent digitale Abformungen, und es werden mit Ausnahme von Total- und Teilprothetik sowie Stiftaufbauten alle Arbeiten digital geplant und gefertigt, genauso auch der Modellguss seit Jahren zu 100 Prozent. Ich erwarte in den nächsten Jahren auch einen starken Anstieg von Intraoralscannern in den Ordinationen.

Stichwort „digitale Schnittstellen Dentallabor und Zahnarzt“: Wie werten Sie hier die Entwicklungen ¬– überwiegen die Verbesserungen der Kooperationen zwischen Labor und Zahnarzt oder die gesteigerte Konkurrenz?
Ich sehe das sehr positiv – das ist eines der Themen der Lehre, die ich den Student*innen nahebringen darf. Wenn ein Arzt selbst einfache Sachen fertigen will, dann soll und kann er das machen. Der Aufwand in der Ordination ist dafür nicht unerheblich, und in Österreich ist eine Krone oder ein Inlay für den Zahnarzt nicht so teuer. Die Auftragslage in den Laboren, die sich technisch und digital weiterentwickelt haben, ist so gut, dass diese Einzelfälle gut kompensiert werden können. Ich habe selbst Kund*innen, die das so machen, aber bei den „guten“ bzw. anspruchsvolleren Arbeiten kommen sie dann zu mir. Und die Vorteile des digitalen Datentransfers überwiegen ganz klar – wie beispielsweise, dass kein Bote mehr nötig ist oder dass die Möglichkeit besteht, nun ohne Modell sofort konstruieren zu können.

Ein konkretes Beispiel für die komplexe Digitalisierung ist auch Zebris for Ceramill: ein digitaler Gesichtsbogen mit zahlreichen Funktionen wie Einzelrestaurationen, die modellfrei mit einem Intraoralscanner gescannt werden. Wie wirkt sich eine solche Innovation auf Ihre Arbeit aus?
Wir profitieren mit dem System Zebris for Ceramill von einer Vereinfachung der Abläufe, nämlich die automatische Datenübernahme in das Ceramill-System und der direkte Transfer in den virtuellen Artikulator. Wir haben schon jetzt sehr viele intraorale Abformungen. Nachdem wir ja sonst immer mit Außenbogen arbeiten, brauchen wir auch da Möglichkeiten, den Oberkiefer lagerichtig in den virtuellen Artikulator zu bekommen. Die einfache, schnelle Funktionsanalyse hilft sehr. Für welche Indikationen wir das System Zebris for Ceramill an der Universität verwenden werden, erforschen wir gerade in der Abteilung klinische Forschung.

Wird sich die Ausbildung der Dentaltechniker*innen aufgrund der Digitalisierung grundlegend ändern?
Nachdem die Ausbildung in Österreich sowohl bei den Lehrlingen als auch zur Meisterprüfung schon überwiegend digitale Kompetenzen vermittelt, wird sich auch der Beruf generell in diese Richtung entwickeln. Der Fokus der Ausbildung bei uns an der Universität lag noch bis vor kurzem auf der Anwendung herkömmlicher Techniken. Im Moment erfolgt ein wirklich rasanter Umbruch in Richtung Digitalisierung. Unsere Abteilungen erhalten Intraoralscanner, zeitgleich erfolgen die Schulungen zur richtigen Anwendung der Scanner und des notwendigen Workflows, der eingehalten werden muss, um mit dem zahntechnischen Labor friktionsfrei arbeiten zu können. Auch CAD/CAM wird in der Ausbildung ausführlich gelehrt. Ziel ist es, im Laufe dieses Jahres Versorgungskonzepte neu zu definieren – vollanatomische Versorgungen aus Zirkonoxid werden großflächig Einzug halten. Modellguss wird digital konstruiert und dann lasergesintert. Und Abdrücke werden bis auf die Indikation Stift und im Bereich Totalprothese künftig komplett digital erfolgen. Das ist eine Vision und daher nicht in „ganz naher“ Zukunft umzusetzen – aber der Weg ist klar.

Das zahntechnische Labor der Universitätsklinik Wien Das zahntechnische Labor der Universitätsklinik Wien
Die CAD/CAM Arbeitsplätze Die CAD/CAM Arbeitsplätze

Folge uns!