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3 Fragen an Dr. med. Daniel Edelhoff: Wie können zahnärztliche Teams die Di-gitalisierung intelligent in den Arbeitsalltag integrieren?

Im Rahmen des Online-Dentalkongresses AG.Live CON, der vom 20. bis 24. April 2021 stattfand, sprachen wir mit Dr. Daniel Edelhoff, Dekan der Zahnmedizin und Direktor und Lehrstuhlinhaber der Klinik für zahnärztliche Prothetik am Universitätsklinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München in Deutschland. Als gelernter Zahntechniker hielt Edelhoff auf der AG.Live CON einen Vortrag zur digitalen Kommunikation zwischen Zahnklinik und Labor und nahm an der kontroversen Podiumsdiskussion zum Thema Digitalisierung teil.

Di. 25. Mai 2021, 0:09 Uhr

3 Fragen an Dr. med. Daniel Edelhoff: Wie können zahnärztliche Teams die Di-gitalisierung intelligent in den Arbeitsalltag integrieren?

Welche Strategien stehen Zahnärzteteams zur Verfügung, wenn es um die Kommunikation mit Laboren geht?

Da ich auch ausgebildeter Zahntechniker bin, denke ich immer aus beiden Perspektiven. Entsprechende Strategien der Zusammenarbeit des restaurativen Teams, vor allem aber mit dem Patienten, wurden bereits frühzeitig entwickelt. Wer den Erfolg seiner zahnärztlichen Behandlung anstrebt, braucht einen intensiven Austausch von Informationen. Hier spielen uns die digitalen Möglichkeiten von heute auf verschiedenen Ebenen in die Hände. Durch 3D-Gesichtsscanner, Intraoralscanner, Transfer Forks, digitale Aufzeichnung der dynamischen Okklusion und die Kombination von STL und mit Dicom-Daten etc. bringen wir den Patienten dauerhaft ins zahntechnische Labor, mit einer sagen wir mal „24-7“ Verfügbarkeit.
Die Strategien sind natürlich stark von der digitalen Ausstattung der Partner abhängig und können entsprechend variieren. Die Zusammenarbeit auf analoger Ebene wird nun zunehmend durch digitale Möglichkeiten substituiert. Das erhöht die Vorhersagbarkeit und kann in manchen Fällen, wie in der Implantatprothetik oder Totalprothetik, bestimmte Behandlungssitzungen überflüssig machen. In meinem Vortrag habe ich gezeigt, dass digitale Technologien im Vergleich zum analogen Ansatz ganz klare "Killerapplikationen" enthalten. Da die Mitglieder des Behandlungsteams immer auf die gleiche Fülle von Informationen zugreifen können, ist die Planung viel präziser, und Missverständnisse sowie Fehler werden vermieden, zum Vorteil des Patienten.

Welche Herausforderungen und Vorteile ergeben sich aus der digitalisierten Kommunikation mit den Laboren?

Die Schwachstelle liegt eher in den Schnittstellen und in der Weiterverarbeitung der erfassten Daten in der Software. Die Datenkompatibilität verschiedener Systeme in Labor und Praxis ist für mich eine der größten Herausforderungen, die aber sicherlich zu meistern ist. Letztlich überwiegen die Vorteile der digitalen Technologien: eine präzisere und effizientere Befundung, Analyse und Diagnose, die in Zukunft durch künstliche Intelligenz unterstützt wird. Dies erleichtert die Behandlungsplanung mit exakter Auswahl des Restaurationsmaterials, die virtuelle Einprobe und reale klinische "Probefahr-ten" mit direkter Kommunikation sowohl innerhalb des Restaurationsteams als auch mit dem Patien-ten. Für offene Fragen und eine multidisziplinäre Zusammenarbeit wären Online-Expertenplattformen wünschenswert, um synergistische Ergebnisse zu erzielen.

Wir hören oft, dass die Digitalisierung zu einer Verbesserung in der Zahnmedizin führen kann. Was bedeutet das für Sie?

Neben den bereits genannten Vorteilen des besseren Informationsaustauschs und der Kommunikation ist die sicherere Planung, der Einsatz qualitativ hochwertigerer, standardisiert gefertigter Materia-lien mit höherer Biokompatibilität, eine bessere Präzision z.B. bei gefrästen Polymeren, die Zeitersparnis und die Reproduzierbarkeit zu nennen. Die neuen Fertigungsmöglichkeiten haben uns bereits viele interessante neue Materialklassen beschert, die in der analogen Welt sonst nicht verfügbar sind. Digitale Patientenakten machen wichtige Daten viel schneller verfügbar. Wir leben heute in einer Hochleistungskultur, und Zeit ist ein sehr kostbares Gut geworden. Wie bereits erwähnt, gibt es neue digitale Möglichkeiten in der Kommunikation, die die analogen Kontaktzeiten zum Patienten reduzieren werden. Das ist vor dem Hintergrund der Pandemie zu begrüßen, aber längerfristig dürfen wir die Empathie nicht aus unserem Behandlungskonzept verdrängen.

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